Angehörigenbericht, Lesung & Gespräch
Schmatz ist tot
Ich würde alles dafür geben, diesen Satz nicht schreiben zu müssen.
Dann säßen wir nämlich jetzt in der Bretagne vor unserem Womi, mein Mann würde mein ständiges Suchen nach DEM Fotomotiv belächeln und abends säßen wir bei unserer Madame und äßen Moules frites.
Aber es kam anders.
Schmatz ist tot.
Subjekt, Prädikat, Adjektiv – ein vollständiger Satz, eindeutiger geht es nicht.
Ende September beschloss er nach zehn Monaten heftiger Behandlungen, nach vielem Hoffen, Bangen, nach so vielen trotz allem wunderbaren gemeinsamen Tagen, dass er keine weitere Behandlung mehr wollte. Wir hatten früh abgesprochen, dass ich jede seiner Entscheidungen mittragen würde. Nun traf er sie: Keine weitere Behandlung bedeutete übersetzt „Ich bin einverstanden, wenn ich sterbe. Meine Kraft ist zu Ende.“ Im Frühjahr erzählte er mir, er sei davon überzeugt, dass der Tod irgendwann als Freund käme. Diesen Freund lud er nun ein.
Wir hatten seit seiner Diagnose oft darüber gesprochen, dass unser altes Haus nicht sein Sterbeort sein könnte, dass wir auf jeden Fall einen Hospizplatz suchen wollten.
Es wurde eng. Sein Zustand verschlechterte sich sehr, meiner auch. Hier Zuhause bekam ich Angst vor der Verantwortung, die mir selbst unsere wunderbare Palliativ-Ärztin nicht nehmen konnte.
Dann kam der Anruf: Ihr Mann kann am Mittwoch zu uns kommen. Ich weiß nicht ob ich aus Erleichterung, aus Angst vor dem was nun kommen würde, aus Abschiedsschmerz weinte. Ich weinte einfach, und das nicht zu knapp.
Der Transport war abenteuerlich. Aber als wir in die Eingangshalle kamen fiel so viel Anspannung von uns ab. Wie durch Zauberhand verschwand die Angst, die Unsicherheit, es stellte sich sofort ein tiefes Gefühl des Vertrauens ein. Hier sind wir so gut aufgehoben! Hier sind wir am richtigen Ort!
In den zweieinhalb Wochen seines Aufenthaltes gab es so viele wunderbare Momente, so viel Aufmerksamkeit, Achtung, Respekt, Klarheit, Liebe, dass es ungerecht wäre, einen besonders hervor zu heben.
Doch vielleicht einen: „Ihr seid doch auch hier glücklich miteinander!“ Unser persönlicher Zaubersatz, der so genau zutraf, dessen Zauber bis zum letzten Atemzug meines Mannes hielt. Und der ehrlich gesagt auch heute noch in mit nachhallt. Wir waren glücklich und ihr seid unsere Zeugen.
Schmatz ist tot.
Ich denke an euren König, der seine Krone neben sich gelegt hat. Brauchen wir eine Krone auf dem Kopf um unsere Würde zu wahren?
Mein Schmatz hat nie eine Krone der Würde sichtbar getragen, er trug sie unauffällig bei sich. Sie war ihm wichtig, aber er musste sie nicht zur Schau stellen.
Ihr alle im Hospiz, wirklich alle, habt dazu beigetragen, dass er nie seine Würde verloren hat. Er durfte in Würde sterben. Dafür werde ich euch mein Leben lang danken.
Und dafür, dass ihr auch mich mit im Blick hattet, dass ihr mir eine Nähe geschenkt habt, die mich noch heute berührt. Die Menschen im Hospiz wissen, dass ich viel schreibe. Ich möchte enden mit einem Text, den ich euch widme:
hospiz
immer
wenn ich dort vorbei fahre
lege ich eine hand auf mein herz
zum gruß
an dich
an uns
an all
die wunderbaren menschen
die wort wirken
und
mein herz
lächelt
zum sterben schön | vom leben und sterben. vom lieben und weiterleben
Texte, Geschichten und Musik | mit Brigitte Dohmen & Jürgen Förster
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Während der schweren Erkrankung und der Begleitung ihres Mannes im Hospiz begann Brigitte Dohmen zu schreiben … ganz persönlich, das Erlebte zu halten. Daraus ist der Buchband »zum sterben schön | vom leben und sterben. vom lieben und weiterleben« entstanden.
Musikalisch begleitet und in einer Mischung aus Erzählung und Lesung wird an diesem Abend Erlebtes spürbar. Die Autorin zeichnet den Weg durch ihre Zeit des Abschieds und fragt zugleich nach dem, was bleibt: Liebe, Verbundenheit, Erinnerung … und wie sich ein Weiterleben darin findet.
Dienstag, 29.09.2026 | 19:00 Uhr
Bestattungshaus Bakonyi | Stammhaus Augustastraße
Eintritt frei | Um Spende wird gebeten
Anmeldung erforderlich: 0241 50 50 04 oder
veranstaltungen@bestattungshaus-bakonyi.de
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Eine Kooperation von Bestattungshaus Bakonyi & Hospizstiftung Region Aachen
Mit freundlicher Unterstützung von Buchhandlung Backhaus
Zugunsten des Hospiz am Iterbach | Home Care Betreibergesellschaft gGmbH
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Eine limitierte Anzahl des Buches ist im September und Oktober für 15 € und zugunsten des Hospiz am Iterbach erhältlich in allen Filialen der Buchhandlung Backhaus.

































































































